Der Max-Josef-Metzger-Platz

Wer war Max-Josef Metzger?
Und wie entstand der Platz, der nach ihm benannt ist?

denkmal_wiederaufbau

Ein Blick auf die Grünanlage zwischen Gerichts- und Müllerstraße zeigt vor allem eines – nämlich den praktischen Umgang der Weddinger mit ihren Plätzen und deren Geschichte.

Der Max-Josef-Metzger-Platz, wie er heute heißt, entstand ursprünglich nach Plänen des Stadtbaurates James Hobrecht im Jahre 1862. Zuvor waren die Flächen seit 1822 von einem Herrn Freundenberg landwirtschaftlich genutzt worden. In der Folge der Besiedlung des Wedding musste er allerdings zunehmend Verwüstungen auf seinem Grundstück hinnehmen: Selbst Dornenhecken, Bretterzäune, Wassergräben und Erdwälle hielten die Schüler der nahe gelegenen Schule nicht davon ab, seine Ernte zu stehlen.

Im Jahr 1875 zog dann schließlich der Magistrat das Grundstück aus ästhetischen und sanitätspolizeilichen Gründen an sich, denn die tief gelegene Fläche hatte nur noch als Auffangbecken für Abwasser gedient. Der ein Jahr später von Gartenbaudirektor Gustav Meyer angelegte Schmuckplatz galt als „Probeversuch“ – zunächst wurde befürchtet, dass „die Rohheit unnützer Personen die Pflanzungen nicht zu einer gedeihlichen Entwicklung“ kommen lassen würde. Diese Besorgnis war, so berichten es die Akten des damaligen Gartenbauamtes, allerdings unbegründet, denn die Haltung des Publikums hatte sich als so „zivilisiert“ erwiesen wie in vornehmeren Stadteilen.

Die Namensgebung im Jahre 1887 zum Courbièreplatz erfolgte (wie so oft zur damaligen Zeit in Berlin) nach Personen oder Ereignissen des preußischen Militarismus. Der Namensgeber Wilhelm Reinhardt de l’Homme de Courbière (1733-1811) hatte sich als preußischer General-Feldmarschall hugenottischer Herkunft an so ziemlich an allen Kriegen seiner Zeit beteiligt und sich nicht nur militärisch, sondern auch mit Zivilcourage gegen die Truppen Napoleons zur Wehr gesetzt.

Nach dem Zeiten Weltkrieg (der ehemalige Schmuckplatz hatte in dieser Zeit als Müllkippe gedient) folgte schließlich eine für den Wedding der 1950er Jahre typische Umgestaltung: Die bisher nach barocken und landschaftlichen Vorbildern gestaltete Anlage mit ihren durch Gehölzstreifen gegliederten Nischen und geschwungenen Wegen wurde zum Abstandsgrün des Arbeitsamtes degradiert.

Zur Neugestaltung gehörte auch ein 12 Meter hohes Denkmal – die „Trümmersäule“ von Gerhard Schultze-Seehof, die mit ihren Reliefs die damaligen politischen Vorstellungen z.B. vom Wiederaufbau Berlins, von Sklaverei, Zerstörung und Demokratie widerspiegeln sollte. Unter „Sklaverei“ wurde damals übrigens nicht nur die Zeit des Nationalsozialismus, sondern auch das politische System der DDR verstanden. Das zeigt auch das Einweihungsdatum des Denkmals im Juni 1954, womit man an den 17.  Juni 1953 erinnern wollte: Beim damaligen Ostberliner Volksaufstand waren Arbeiter aus dem (nördlich von Berlin gelegenen) Henningsdorf durch die Weddinger Müllerstraße in Richtung Ostberlin gezogen.

Dass der Platz seit 1994 nun nicht mehr an die militärische Vergangenheit Preußens erinnert, hat allerdings weniger mit der friedliebenden Gesinnung der Weddinger zu tun: Eine Initiative, die nahegelegene Wildower Straße nach dem Pfarrer und Kriegsgegner Max-Josef Metzger umzubenennen, war Anfang der 90er Jahre am Protest von Anwohnern gescheitert. Dafür wurde dann der Platz nach ihm benannt.

Die Erfahrungen des 1. Weltkrieges hatten den katholischen Priester Metzger, der seit 1939 in der Wildower Straße lebte, zu einem überzeugten Pazifisten gemacht. Er gründete u.a. den Weltfriedensbund des Weißen Kreuzes und den Friedensbund Deutscher Katholiken, war Mitglied des Internationalen Versöhnungsbundes, international hoch geachtet und engagierte sich auch für die internationale Sprache Esperanto. Aufgrund seines Engagements für Ökumene und Demokratie in Deutschland geriet er nach der Machtergreifung der Nazis 1933 bald in deren Visier. Er wurde verfolgt und mehrfach verhaftet. 1943 verurteilte ihn der nationalsozialistische „Volksgerichtshof“ , 1944 wurde der Pfarrer hingerichtet. Vor 17 Jahren wurde dieses Todesurteil vom Berliner Landgericht wieder revidiert.

Doch selbst die sterblichen Überreste des einstigen Friedenskämpfers wurden noch zum Politikum: Gegen den Willen der Nazis sorgte ein katholischer Pfarrer für eine würdige Beerdigung Metzgers sowie die Überführung des Leichnams auf den St. Hedwigs-Friedhof an der Liesenstraße. Die Totenruhe wurde allerdings schon nach wenigen Jahren wieder gestört, als die DDR die Mauer und die dazugehörigen Sperranlagen errichtete, die auch diesen Ort durchschnitten. Freunde Metzgers sorgten deshalb erneut für eine Umbettung, diesmal in das ruhige Meitingen bei Augsburg.

Auch wenn der Name Max-Josef Metzger den Weddingern heute wenig sagt – bei der Umbenennung gab es keinen Protest: Da an dem Platz niemand wohnt, mussten keine Briefköpfe und Visitenkarten geändert werden.

Eberhard Elfert

Erschienen: „ecke müllerstraße“
Zeitung für das »Aktive Zentrum« und Sanierungsgebiet Müllerstraße
Hrsg: Bezirksamt Mitte von Berlin, Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadtplanung